Jonglage
Jonglage
ist eine einzigartige Ausdrucksform, die neben Musik und Tanz
eine ganz eigene Dimension definiert. Manches, was mit Jonglage
ausgedrückt werden kann, bspw. Freude, Verspieltheit
oder Traumwelten, ist auch in anderer Weise darstellbar oder
erzählbar. Aber es gibt innerhalb der Jonglage auch sehr
Vieles, das auf keine andere Weise nachgeahmt oder ersetzt
werden kann.
Aber
was ist eigentlich Jonglage? Über diese Frage streiten
sich - natürlich - die Fachleute. Es ist aber nicht zu
gewagt zu sagen, dass Jonglage die bewußte und zielgerichtete
Manipulation diverser Gegenstände - teils dem Alltag
entnommen, teils speziell zur Jonglage gefertigt - in einer
ungewöhnlichen, geschickten und bisweilen dem Laien unverständlichen
Weise ist. Oft spielt das Loslassen (Werfen) und Wiederauffangen
der Objekte eine wesentliche Rolle. Aber nicht immer, denn
Requisiten werden bei der Jonglage auch über den Körper
gerollt, sie werden balanciert, werden gedreht oder rhythmisch
aufgetippt (bspw. auf dem Kopf oder auf dem Fuß).
Ein
Jongleur kann sich damit beschäftigen, bereits bekannte
Jonglagen zu erlernen, er kann aber auch eine neue, eigene
Jonglage erfinden. Manch ein Jongleur erfindet dabei einzelne
Kunststücke, andere erfinden neue Requisiten und daher
fast automatisch auch neue Wege der Manipulation. Und wiederum
andere Jongleure nähern sich der Jonglage gleichsam theoretisch.
So geschehen in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts
als die inzwischen weit verbreitete Jonglage-Notation "Siteswap"
entwickelt wurde. Als Resultat dieses theoretischen Vorstoßes
wurden und werden tatsächlich tausende neuer Jonglage-Muster
bzw. Jonglage-Rhythmen gefunden. Auch konnten mittels dieser
Notation viele bereits vorher existierende Jonglage-Kunststücke
leichter, weil kompakter aufgeschrieben werden. Aber noch
entscheidender war, dass gleichsam aus dem Nichts eine ganz
neue Familie von Jonglage-Ideen entstanden war. Interessant
ist, dass diese Revolution in der Jonglage nicht auf die klassische
Wurf-Fang-Jonglage begrenzt blieb, sondern inzwischen nahezu
die gesamte Jonglage tangiert. Ob Bounce-Jonglage oder Reifenrollen
- mit Siteswap wurde auch in Rand-Disziplinen Neuland betreten.
Jonglage
auf hohem Niveau erfordert Zeit, Zeit und nochmals Zeit. Selbst
die talentiertesten Jongleure der Welt müssen sich eine
gewisse Weile jedem einzelnen Kunststück widmen, um diesem
Kunststück die Seele abzulauschen. Jonglage erfordert
Fleiß und Hingabe, aber das Ergebnis ist ein ungeheures
Glücksgefühl.
Jonglieren will gelernt sein. Aber Jonglieren will auch gelehrt
werden - fast jeder Jongleur und jede Jongleurin, die danach
gefragt werden, zeigen Anfängern und Neulingen bereitwillig
und gerne die Grundbegriffe und helfen über die ersten
Hürden beim Erlernen der Jonglage hinweg.
Jonglage
bedeutet Kontrolle in ein scheinbar unkontrollierbares Wirrwarr
zu bringen. Jonglage wird daher überproportional oft
von mathematisch orientierten Menschen als spannend und reizvoll
empfunden.
Jonglage
von gefährlichen Gegenständen ist beeindruckend
und dramatisch, denn das Publikum kennt diese Gegenstände
oft aus dem Alltag und weiß, was der Jongleur in dem
Moment auf sich nimmt, wenn er bspw. ein Messer meterhoch
in die Luft schleudert.
Professionelle
Jonglage beginnt im Kopf: ein guter Jongleur-Profi wird nur
das zur Aufführung bringen, was er verantworten kann,
d. h. was sicher ist. So soll eine Jonglage immer spielerisch
und nie angestrengt wirken (außer eventuell bei Clowns).
Eine Sonderform ist hierbei die Comedy-Jonglage, bei der der
Jongleur die Jonglage ggfs. zunächst als schwierig darstellt,
um einen größeren Effekt zu erzielen.
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